“Der Gotteswahn” von Richard Dawkins (2008) ist eine einzige Abrechnung mit Religion im Allgemeinen hauptsächlich dargestellt am christlichen Glauben, da der Autor diesem Kulturkreis entstammt. Dargestellt werden Argumente für und wider die Existenz eines Gottes, wobei bereits die Argumente für die Existenz auseinander gepflückt werden. So sind die Argumente gegen die Existenz eigentlich eine Fortsetzung der Kritik an den religiösen Argumenten dafür.
Allerdings werden auch die Wurzeln der Religion und die Wurzeln der Moral beleuchtet, die nach Ansicht des Autors unabhängig von einem Glauben an Gott sind. Vielmehr ist unser heutiges Moralverständnis viel weiter und humaner als das während der Entstehung des Christentums. Konsequenterweise wird die Bibel moralisch untersucht, wobei das Alte Testament als archaische Sammlung von Texten identifiziert wird. Es wird zwar zugestanden, dass das Neue Testament eine starke Annäherung an ein humanistisches Weltbild ist. Allerdings wird auch dargelegt, dass das Motiv der Nächstenliebe explizit die Liebe zu seinem Nächsten, also nur Liebe von Juden im ursprünglichen Sinne, bedeutet. Weiter enthält auch das Neue Testament das schreckliche Motiv der Erbsünde. Auch bemerkenswert ist, dass sich das Christentum mit dem Kreuz selber ein Folterinstrument als Zeichen gegeben hat. Auf die Spitze gebracht wird dieser Gedanke mit einem angeblichen Zitat des Komikers Lenny Bruce auf S. 318:
Wäre Jesus vor zwanzig Jahren getötet worden, dann würden die katholischen Schulkinder heute kein Kreuz, sondern einen kleinen elektrischen Stuhl um den Hals tragen.
Weiter werden die schlechten Seiten des Glaubens beleuchtet. So führt die Religion zu einer verstärkten Trennung von unterschiedlichen Glaubensrichtungen, z. B. durch getrennte Schulen in Nordirland, was zu einer andauernden Trennung von zwei eigentlich ähnlichen Bevölkerungsgruppen führt. Außerdem wird der Glaube an nicht nachvollziehbare Dogmen unterstützt. Beispielhaft wird dieses erläutert an der Geschichte des italienischen Jungens Edgardo Mortara, der aus einer jüdischen Familie stammte. Dieser wurde 1858 vom Papst beauftragt aus seiner Familie entführt, da er heimlich von einem Dienstmädchen getauft worden ist. Er sollte also nicht in einer jüdischen Familie groß gezogen werden, sondern der überlegenen christlichen Moral zugeführt werden. Auf die Spitze getrieben wird diese Geschichte dadurch, dass auch die jüdischen Eltern sich weigerten, sich taufen zu lassen. Mit diesem eigentlich nichts sagenden verspritzen von Wasser hätten sie ihren Sohn zurück bekommen können, sie bevorzugten es allerdings aufgrund eines absurden Glaubens, diesen Schritt nicht zu nehmen.
Darauf aufbauend wird gefordert, dass Kinder nicht religiös erzogen werden sollten. Es gibt keine christlichen Kinder, sondern nur Kinder christlicher Eltern. Erwachsene können entscheiden, ob sie an Gott glauben oder nicht.
Am Ende wird untersucht, ob der Nichtglauben Lücken hinterlässt, die nur von der Religion gefüllt werden können. Es wird dargelegt, dass sowohl der Trost eines Lebens nach dem Tod als auch die Motivation, als moralisch handelnder Mensch zu leben, anders gefüllt werden können. Während der Glaube an Gott den Menschen faul macht über den Ursprung des Lebens nachzudenken, motiviert ein atheistisches Weltbild die Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen des Lebens.
Literatur
link-citations: true lang: de …