In “Anarchie und Evolution - Glaube und Wissenschaft in einer Welt ohne Gott” von Graffin & Olson (2011) entwirft der Sänger von Bad Religion sein naturalistisches Weltbild auf Basis der Wissenschaft, speziell der Evolutionsbiologie ohne einen Glauben an einen Gott. Nebenbei wird seine ganz persönliche Lebensgeschichte inklusive der Gründung und des Aufstiegs von Bad Religion dargestellt. Der promovierte Evolutionsbiologe erläutert, warum es nicht nötig ist, an einen Gott zu glauben, um ein moralisch handelnder Mensch zu sein oder einen Sinn im Leben zu erkennen. Dabei tritt er nicht so dogmatisch auf wie Richard Dawkins, sondern gesteht auch, dass ein Naturalist an viele Dinge glaubt, da die Wissenschaft nicht jeden Einzelschritt der Evolution erklären kann.
Aus wissenschaftlicher Sicht interessant ist unter anderem die Schilderung des ersten Fischs, der aus flachem Wasser heraus das Land als Lebensraum gewonnen hat. “Tiktaalik” (S. 42) heißt Süßwasserfisch und dieser erste Landgänger hatte bereits Armknochen wie alle direkt darauf folgenden Landlebewesen. Vor 375 Millionen Jahren setzte die Besiedelung des Lands ein. Die “adaptive Radiation” erfolgte schnell, da in dem neuen Lebensraum keine natürlichen Feinde vorhanden waren. Die Evolution erfolgte dann auch an Land mit der Bildung von Amphibien, Dinosauriern, Vögeln, Säugetieren, Primaten und schließlich dem Menschen.
Auch die Anfangsgeschichte von Bad Religion wird behandelt, so wie die Entstehungsgeschichte des Albums “Into the Unknown” (S. 96). Nach einem anfänglichen Wachstum der Punkszene zog diese immer mehr gewaltbereite Leute an. Bad Religion hatten an dieser Entwicklung kein Interesse und suchten daher nach neuen Möglichkeiten der Ausdrucksweise. Dieses Album klang wie “eine Mischung aus Jethro Tull, Pink Floyd und R.E.M.”, weshalb das Album später komplett zurückgezogen wurde. Danach kehrten sie wieder zu ihren Wurzeln zurück und schrieben mit den Alben “Suffer”, “No Control” und “Against the Grain” Punkgeschichte.
Die für mich persönlich zentrale Aussage ist, dass die Frage nach einem Gott unnütz ist, da sie zum Einen eh nicht beantwortet werden kann, zum anderen es aber entscheidend ist, welche Schlussfolgerungen aus dem Glauben oder Nichtglauben für ein sinnvolles Leben gezogen werden. Auf Seite 123 wird richtig behauptet, dass Religion sich den wichtigen Fragen im Leben stellt. “Woher komme ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Und was für einen Sinn hat es, sich anzustrengen?” Weiter wird kritisiert, dass viele Atheisten ähnlich dogmatisch vorgehen wie religiöse Menschen. Nach deren Aussagen werden religiöse Menschen durch “moralischen Terrorismus” in der Erziehung geformt, was sich im Erwachsenenalter nicht mehr rückgängig machen lässt. Diese Konfrontation verhindert, sich mit den ja sinnvollen Fragen zu beschäftigen. Für Greg Graffin sind diese auch Anlass sich mit der Wissenschaft auseinander zu setzen und die Lösungen in der Evolution zu finden.
Es ist an der Zeit, die langwierige und endlose Debatte über die Existenz Gottes beiseitezulegen. Wir sollten uns auf das Leben und die ihm innewohnende Kreativität - und auch die unvermeidliche Tragödie - konzentrieren. (S. 124).
Im Folgenden baut er sich sein eigenes Weltbild auf wissenschaftlicher Basis auf. Aber eigentlich ist es ja egal auf Basis welchen Glaubens man sein Weltbild aufbaut, viel entscheidender ist doch wie dieses Weltbild hilft, die oben gestellten Fragen zu beantworten und einem hilft, im Umgang mit anderen Menschen “gut” oder “böse” zu sein, was man aus seinem Leben macht und wie man mit dem unausweichlichen Ende, dem Tod umgeht.
Literatur
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